Blind - und doch erfolgreich angeln?

Der Jubilar mit Gattin und dem "Gut Bitt"-Vorsitzenden Roland Reiners
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Die Antwort hat einen Namen: Wolfgang Grossmann. Das Motto der Eheleute Wolfgang und Margret Grossmann lautet: angeln mit den Augen der Ehefrau. Im Januar 1979 erblindete Wolfgang Grossmann im Alter von 20 Jahren, was ihn aber nicht hindern sollte, weiterhin seinem geliebten Hobby, dem Angeln, nachzugehen, zumal er schon als Jugendlicher die erforderliche Fischereiprüfung erfolgreich abgeschlossen hat. Die Angelleidenschaft hatte ihn schon als Kind erfasst, als es ihm gelang, mit einem gefundenen Rest Angelschnur und angeknüpftem Haken einen Fisch zu landen. Folglich schloss er sich zunächst seinem heimischen Angelverein ASV Lüttingen, später gemeinsam mit seiner Ehefrau, die im Januar 1984 ihm zuliebe ebenfalls die Fischereiprüfung abgelegt hatte, dem ASV "Gut Bitt" Wissel an. Hier konnte er im Rahmen einer Vereins-Ehrung kürzlich seine 25-jährige Vereinsmitgliedschaft feiern. Sieht man das Ehepaar Grossmann an den "Gut Bitt"-Vereinsgewässern gemeinsam beim Angeln, ist erst bei genauerem Hinsehen festzustellen, dass der weitgehend selbständig angelnde Wolfgang Grossmann völlig erblindet ist, so sehr sind die Beiden aufeinander eingespielt und abgestimmt. Als Blinder, so sagt er, könne man die Natur mit anderen Sinnen erleben, genießen und er sich so sehr gut von seinem Bürodienst als Mitarbeiter einer Stadtverwaltung erholen. Mit Begeisterung nimmt er, natürlich stets in Begleitung seiner Frau, an den unterschiedlichsten Vereinsveranstaltungen vom Hegefischen bis zur Weihnachtsfeier teil. Hier gilt seine große Liebe, natürlich neben seiner Margret, der traditionellen Tombola. Der ASV "Gut Bitt" Wissel, betont das Ehepaar, habe sie mit offenen Armen empfangen und biete ihnen neben der langgesuchten Anerkennung als Behindertem auch eine echte soziale Heimat, in der beide sich wohlfühlen und vollkommen akzeptiert würden. Insbesondere die Ruhe und Abgeschiedenheit des vereinseigenen Gewässers "Oybaum" in Appeldorn biete ihm auch aufgrund der leicht zugänglichen, blindentauglichen Uferbeschaffenheit ideale Gelegenheiten, seiner Leidenschaft zu frönen und gleichzeitig Ruhe und Entspannung zu finden - eine echte Wohlfühloase eben, wie er immer wieder hervorhebt. Wie sehr er sich auch für "seinen" Verein engagiert, zeigt sein persönlicher Einsatz beim seinerzeitigen Eigentumserwerb des "Oybaum", als er, wie viele andere Mitglieder auch, sogenannte "Oybaum-Steine" kaufte, die dadurch dem Verein den Kauf des Areals erst ermöglichten. Wolfgang Grossmann ist begeistert von dem Zusammenhalt und der Kameradschaft innerhalb des "Gut Bitt" und zeigt sich gleichermaßen erstaunt wie auch dankbar über die große Akzeptanz und Hilfsbereitschaft seitens der Vereinsmitglieder. Dies helfe ihm auch über die Angeltage hinweg, an denen er den heimischen Tisch mal nicht mit frischem, selbst gefangenem Fisch bereichern könne, er sich aber dennoch hervorragend am Wasser und in der Natur habe erholen können - und das sei schließlich die Hauptsache, das Ziel seiner Angelleidenschaft; ein Hobby, dass er noch viele Jahre, seiner Erblindung zum Trotz, wird  ausüben können, da ist Wolfgang Grossmann sich sicher.   

Autor:

Andreas Wolff aus Bedburg-Hau

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