Kita-Kinder im Glück: Erlebnispädagogik und mehr auf dem Rücken der Pferde
"Kleine Weltentdecker" auf dem Carlinenhof

Die Kita-Kinder (Vorschule) besuchten ihr Patenpferd. Fotos: Pielorz
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Seit 2006 gibt es in Sprockhövel den Carlinenhof. Seit zwei Jahren ist er ein gemeinnütziger Verein, der intensiv mit den Jugendämtern, aber auch mit dem Frauenhaus im Ennepe-Ruhr-Kreis zusammenarbeitet. Auf dem Hof leben aktuell 12 Islandpferde, Ziegen, Hunde, Katzen und Hühner. Der Hof gehört Reitpädagogin Nicole Menger-Goltz, der gemeinnützige Verein hat ihn gepachtet. Gemeinsam mit ihrem Mann und weiteren helfenden Händen ermöglicht sie hier Menschen die Begegnung mit Pferden. Dabei geht es um viel mehr als um Reitstunden. Das durften auch die Kinder der Kita „Kleine Weltentdecker“ erleben. Drei Monate hatten sie ein Patenpferd und das haben sie einmal pro Woche besucht.

Erlebnispädagogik auf dem Pferderücken – so beschreibt sich das Angebot vom Carlinenhof. „Mutter und Kind-Projekte“ gehören ebenso dazu wie Reitstunden oder integrative Angebote für Menschen mit Handicap. Schulersatzmaßnahmen oder eben der Besuch von Kindergartenkindern, die sich um ein Patenpferd kümmern wollen und dabei den verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren lernen, runden die Erlebnisse ab. Deshalb waren auch die Kita-Kinder „Kleine Weltentdecker“ vor Ort. „Wir haben in unserer Kita ein großes Außengelände und schon öfter Tiere bei uns zu Besuch gehabt. Beispielsweise Hühner. Jetzt hatten wir die Idee einer Patenschaft für ein Islandpferd vom Carlinenhof. Unser Förderverein hat für drei Monate eine finanzielle Unterstützung ermöglicht und die Kinder konnten einmal pro Woche in Kleingruppen ihr Patenpferd besuchen. So hatten wir ein tierisches Outdoor-Erlebnis für die Kinder und der Carlinenhof in der Corona-Pandemie eine finanzielle Hilfe“, berichtet Kita-Leiterin Daniela Voigt. Dabei ging es überhaupt nicht um Reitstunden. Vielmehr lernten die Kinder „ihr“ Patenkind kennen und seine Bedürfnisse „lesen“. Die Islandstute Solbjört (Spitzname „Björdi“) bedeutet übersetzt „Sonnenschein“. Mit 1,18 Metern ist sie das kleinste Islandpferd und mit 28 Jahren schon in etwas gesetzterem Alter. Sie genießt die Putz- und Streicheleinheiten der Kinder in vollen Zügen und lässt sich mit Heu füttern.
„Unser Ziel ist, den Kindern ein Erlebnis mit dem Pferd zu ermöglichen und gemeinsam mit ihm zu wachsen, Stärken und Schwächen kennenzulernen“, erklärt Reitpädagogin Nicole Menger-Goltz. Sie ist gelernte Schauspielerin und arbeitet aktuell an einem theaterpädagogischen Projekt , in dem die Tiere natürlich auch eine große Rolle spielen. Die Kita-Kinder genießen bei ihrem Besuch das Striegeln und Putzen. Kuscheleinheiten stehen selbstverständlich auch auf dem Programm. Die Vorschulkinder haben gerade Hufeisen lackiert. Die kommen als Glücksbringer in die Schultüte. Eifrig tragen sie Putzutensilien und Heu zu Björdi, um das Tier zu versorgen. „Es ist toll, Kinder hier im Umgang mit den Tieren zu erleben“, sagt Nicole Menger-Goltz, die stets neben Informationen zu den Tieren auch Geschichten parat hat. „Wisst ihr eigentlich, wie Björdi zu ihrem Namen gekommen ist? Sie wurde vor 28 Jahren an einem wunderschönen Tag im Mai geboren. Die Sonne lachte vom Himmel und als sie das Licht der Welt erblickte, fiel ein Sonnenstrahl genau auf ihren Rücken. Daher hat sie ihren Namen und wer genau hinschaut, kann den Strahl noch heute auf ihrem Rücken entdecken.“ Die Kinder lauschen gebannt der Erzählung und sind natürlich sofort Feuer und Flamme bei der Suche nach dem Sonnenstrahl.

Begegnung zwischen Menschen und Tieren

Doch es sind nicht nur Kita-Kinder, die gerne auf dem Hof zu Gast sind. Auch die Arbeit mit gehandicapten Kindern nimmt einen großen Raum ein. Hier steht vor allem der reformpädagogische Ansatz nach dem Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“ im Mittelpunkt. „Es macht mich glücklich, morgens mit einem Kaffee rauszukommen, meine Pferde zu sehen, mit gehandicapten Menschen zu arbeiten und mit ihnen eine eigene Bühne zu bilden“, sagt sie. Deshalb läuft aktuell auch ein theaterpädagogisches Projekt. Premiere soll im nächsten Sommer sein.
Der Hof ist ein Begegnungsort von Menschen und Tieren. Dann kam die Corona-Pandemie. Mit ihr brachen auch laufende Einnahmen weg. Die laufenden Kosten aber blieben. Auch der Carlinenhof sah – wie so viele – in verkauften Gutscheinen zumindest einen Lichtblick, doch der entpuppte sich nicht als Lösung. Gerade durch den Gutscheinverkauf und die dadurch entstandenen Einnahmen wurde die Chance auf Hilfen von Bund und Land zunichte gemacht. Daher ist Nicole Menger-Goltz froh, dass es jetzt wieder losgeht. „Endlich! Ich freue mich sehr, dass hier wieder Leben auf dem Hof herrscht und Menschen zu uns kommen.“
So wie die Kita-Kinder der „Kleinen Weltentdecker“. Übrigens: Auch Kita-Leitung Daniela Voigt ist froh, dass endlich wieder mehr möglich ist. „Die Corona-Pandemie hat uns und vor allem den Kindern viel abverlangt. Diese Besuche sind ein Aufatmen und es ist wunderbar zu sehen, wie glücklich die Kinder im Kontakt untereinander und mit den Pferden sind.“

Fotos: Pielorz

Acht Vorschulkinder Maria, Arya, Luna, Felix G., Felix S., Fjonn, Ferris und Leon besuchten zum Abschluss der Kindergartenzeit ihr Patenpferd „Björdi“. In der Kita „Kleine Weltentdecker“ leben aber noch die Ziegen „Schnucki“ und „Peter“, die ebenfalls zum Carlinenhof gehören.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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