Über Toiletten entsorgt, in der Dusche abgewaschen: Immer mehr Medikamente geraten ins Wasser
Schmerzmittel und andere Medikamentenrückstände bereiten den Wasserwerkern und -versorgern zunehmend Probleme. Ins Abwasser gerät, was nicht hinein gehört, weil viele Menschen etwa den Rest vom Hustensaft in die Toilette kippen bzw. die allzu großzügig aufgetragene Salbe per Duschwasser abspülen. 15 Prozent der Essener tun das - und das sind nur die Ehrlichen. Damit aufhören sollen alle.
Neben den Essener Arztpraxen sind nun auch die 143 Apotheken der Stadt mit Informationsmaterial der Initiative „Essen macht's klar“ versorgt worden. Nicht nur, weil sie ihre Kunden beraten, sondern auch, weil überflüssige und überschüssige Medikamente dort abgegeben werden können. Nicht alle bieten diesen Service an, die Schwanen-Apotheke an der Gemarkenstraße tut es.
Auch deshalb informierten dort Vertreter von Emschergenossenschaft und Ruhrverband, die für klare Verhältnisse im Wasser sorgen wollen. "Selbst Ozonierung und Aktivkohle können viele Medikamentenrückstände nur zu 60 Prozent abbauen", beschreibt Markus Rüdel vom Ruhrverband die Probleme. Wobei diese Klärmaßnahmen noch dazu teuer sind.
Besser in die Graue Tonne
Bedenklich sind zum Beispiel die Schmerzmittel mit Diclofenac oder Ibuprofen. Sportler tragen Salben, in denen diese enthalten sind, viel zu großzügig und noch dazu prophylaktisch auf. Aber auch Senioren cremen das Knie gerne mal vorsorglich ein, selbst wenn es nicht schmerzt.
Solche Verhaltensweisen zeigen, dass Vorschriften und Verbote allein nicht ausreichen. "Wir müssen Bewusstsein schaffen, und das geht am besten mit der Ansprache vor Ort", beschreibt Dirk Ellerbrok, Inhaber der Schwanen-Apotheke, seine Rolle. "Zumal die Apotheke doch meist viel näher liegt als der Recyclinghof", fügt Tochter Birte Ellerbrok hinzu.
Damit hätte man eine weitere Adresse, um Medikamente fachgerecht zu entsorgen. Es geht aber in Essen noch einfacher. Da der Restmüll bei sehr hohen Temperaturen im Karnaper Heizkraftwerk verbrannt wird, können Tabletten, Tuben und Tinkturen in die Graue Tonne.
Viele Apotheken nehmen Reste an
"Wir wollen für die Problematik sensibilisieren und den umweltgerechten Umgang mit Medikamenten dauerhaft in den Köpfen verankern“, sagen Dr. Issa Nafo und Andrea Holte von der Emschergenossenschaft. Das geschieht bei Ärzten und ihrem Praxispersonal, aber auch die pharmazeutische Industrie ist Adressat, um langfristig unschädlichere Mittel zu entwickeln.
2018 wollen die Organisatoren das Projekt im Rahmen des pico bello-Sauberzauber in Essen noch viel bekannter machen. Damit wir nicht Medikamente schlucken, wenn wir einfach nur ein Glas Wasser trinken wollen.
Autor:Sabine Pfeffer aus Essen-Kettwig |
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