"Es geht um ein ,Überlebnis'" // Vertreter von Verwaltung und Stadtbezirkspolitik diskutierten vor Ort über Tempo 30 auf dem Wickeder Hellweg
Tempo 30 auf dem Wickeder Hellweg? Mehrfach hat die Verwaltung die Beschlüsse der Bezirksvertretung Brackel hierzu zurückgewiesen. Als Begründung wurde der Status des Wickeder Hellweges genannt: Er gehört zum Vorhalte-Netz, also zu jenen Straßen, die für den Verkehrsfluss mit Tempo 50 km/h unabdingbar sind. Eine Geschwindigkeitsregulierung sei nur dann möglich, wenn es sich um einen Unfallschwerpunkt handeln würde, was glücklicherweise nicht der Fall ist.
Als der Verwaltungsvorstand vor einigen Monaten zu Gast in der BV Brackel war, kam das Thema erneut zur Sprache und Stadtrat Martin Lürwer als zuständiger Dezernent bot einen Ortstermin in Wickede an, um gemeinsam vor Ort das Problem in Augenschein zu nehmen. Gemeinsam trafen sich jetzt Verwaltungsvertreter und Stadtbezirks-Politiker zum Ortstermin am Wickeder Hellweg.
CDU-Bezirksvertreter Martin Unland aus Brackel konnte dabei in Sachen Unfallgefahr aus Sicht eines Straßenbahnfahrers deutlich machen, dass hier oft nur eine Vollbremsung hilft.
Der enge Hellweg nimmt neben den zwei Fahrspuren auch die einseitig verlaufende Stadtbahn auf, Autos parken auf dem Bürgersteig und das hohe Verkehrsaufkommen sorgt für brenzlige Situationen. Die zahlreichen Logistikunternehmen in Wickede führen zu vielen Lastwagen auf dem Hellweg, selbst große Sattelzüge quälen sich über die verstopfte Straße. Lieferfahrzeuge können wegen der Stadtbahn nur auf einer Seite halten - dann müssen sich beide Richtungen eine Spur teilen. Kommt einer der vielen Lkw gemeinsam mit einer Stadtbahn im Ortskern an, ist erst einmal Halt für alle Fahrspuren angesagt. Viele Fahrer versuchen solche Situationen zu meiden und schnell noch vorbeizukommen.
Gleiches gilt für die zahlreichen Ein- und Ausfahrten. Auch die vielen Ampeln verleiten manche Autofahrer zum Spurt. Und dieser Gefahren-Cocktail macht die Situation auf dem Wickeder Hellweg unübersichtlich und gefährlich. Vor allem ältere Menschen und Kinder sind überfordert, sie hetzen oft zwischen den Autos über die Straße, da der Ortskern des Hellweg-Dorfes sich über mehr als einen Kilometer hinzieht und der Ampel-Abstand trotz der vorhandenen Fußgänger-Signalanlagen für viele Besorgungen zu groß ist.
Für Radfahrer gibt es gar keinen Raum. Sie weichen zunehmend auf die Bürgersteige aus, denn die Schienen sind auf der Südseite sehr gefährlich für Zweiräder und auf der Nordseite wird es durch das Überholen auf der schmalen Straße immer wieder brenzlig.
Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka (SPD), selbst Wickeder, macht das Problem deutlich: „In Hombruch oder Hörde wird in der Ortsmitte sogar das Radfahren verboten, um die Fußgänger nicht zu gefährden. Da ist unser Ortskern eine ganz andere Welt. Das muss sich ändern, zumal mit Blick auf die älter werdende Gesellschaft“.
Dezernent Martin Lürwer und seine Mitarbeiter aus dem Tiefbauamt verließen Wickede jedenfalls mit dem Versprechen, diese Gemengelage noch einmal zu bedenken.
Während die CDU in der BV erklärte, weiterhin gegen eine Geschwindigkeitsreduzierung zu sein, blieb die SPD skeptisch zurück: Die Entlastungsstraße L663n wird noch Jahre auf sich warten lassen, die Gewerbebetriebe brummen und der Rat will sogar weitere Flächen in Wickede entwickeln. Dazu wird die Nordspange die großen Industriegebiete der Nordstadt an die Brackeler Straße anbinden und der Lkw-Verkehr nimmt ohnehin weiter zu.
Alles keine guten Nachrichten für den Wickeder Ortskern. Czierpka sarkastisch: „Hier geht's nicht um ein Einkaufserlebnis, eher um ein Überlebnis“.
Autor:Ralf K. Braun aus Dortmund-Ost |
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