Ich sitze gern auf Bänken

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Unterwegs zu Fuß oder mit dem Fahrrad nehme ich sie schon von weitem wahr und denke „ah, eine Bank!“ Zielstrebig steuere ich sie an und dann ist sie mein, zumindest für eine Weile.

Am liebsten sitze ich mitten auf der Bank, die Arme ausgebreitet auf der Lehne liegend, der Kopf ist leicht erhoben. Die Augen sind geschlossen, aber wenn die Sonne scheint, blinzle ich manchmal hinein und spiele gern mit ihr.

Bänke laden zum Ruhen ein, gleich in welcher Jahreszeit. Im Frühjahr sitze ich gern auf ihnen und genieße die ersten warmen Sonnenstrahlen. Während des Sommers bieten sie an, auf ihnen zu verweilen, damit man dem Tanz der Mücken und den artistischen Übungen der Raupen in den Bäumen zuschauen kann. Herbstlich verkleidet zeigen sie sich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte und man muss sich seinen Platz erkämpfen neben dem bunten Laub, das nun auch seinen Anspruch auf ein gemütliches Plätzchen geltend macht.
Selbst im Winter mag ich sie, die Bänke, wenn auch nicht immer zum Sitzen, aber zum Anschauen, mit Schnee bedeckt oder einfach frostig dastehend.

Sie sind aus Holz, aus Stein, aus Metall oder aus Kunststoff, im Düsseldorfer Hofgarten kann man sogar auf Leuchtröhren sitzen. Am Waldrand stehen sie, in Parks, auf dem Friedhof und im eigenen Garten.

Neuerdings sieht man oft wieder eine Bank vor dem Haus, so wie es früher üblich war, als man den Tag gemütlich ausklingen ließ, auf der Bank sitzend, ein Schwätzchen mit dem Nachbarn haltend.

Leider werden sie manchmal missbraucht oder zerstört, die gemütlichen Sitzgelegenheiten. Kaputtgeschlagen oder verschmiert von Menschen, denen es nicht vergönnt ist, Muße zu finden oder erholsame Momente genießen zu können, fristen sie ihr Dasein bis zur Entsorgung oder Wiederherstellung.

Schon als Kind saß ich gern auf Bänken, zumindest zeugen viele Fotos davon im alten Album meiner Eltern. Im Märchenpark, im Kurpark, an der Rur (die ohne „h“), später am Rhein und im Schwimmbad, allein oder mit der Familie, Bänke übten wohl eine magische Anziehungskraft auf mich aus.

Zu Hause hatten wir immer eine Bank im Garten, ganz früher war es nur ein Brett auf zwei Beinen am Ende des Gartens, später eine schwere gusseiserne Bank mit Holzlatten. Opa pinselte sie jedes Frühjahr mit weißer Farbe an. Nachdem er verstorben war, habe ich sie mal hellgrün gestrichen. Das gefiel mir ebenfalls sehr gut.

Schön ist es auch, zu zweit auf einer Bank zu sitzen. Man redet miteinander oder auch nicht, man schaut sich vielleicht nicht an, aber in die gleiche Richtung. Menschen gehen vorbei, Schiffe ziehen vorüber und Gedanken fliegen umher.

„Zwei auf einer Bank“, ein uralter Song von Gitte und Rex Gildo, „die lassen sich nicht stören, die sind mit sich allein“, Erinnerungen werden wach und rufen mir eins meiner Lieblingsfotos ins Gedächtnis – meine Eltern 1950, bevor sie verheiratet waren. Das Foto hatten wir seinerzeit vergrößert und den beiden zur Goldhochzeit geschenkt.

87 ist er nun, mein Vater, sitzt immer noch auf einer Bank, auf der Eckbank in der Wohnküche, mit dem Rücken an der Heizung, dort wo es so schön warm ist. Allein nun, ohne Mutter.

Aber ich sitze auch gern auf Mäuerchen.

Autor:

Birgit Schild aus Düsseldorf

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